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Museum Mainfränkische Trias

Museum Mainfränkische Trias bzw. ehem. Forstamt Euerdorf

Hinweis:
Das Museum ist momentan wegen Umbauarbeiten geschlossen. Geplante Wiedereröffnung Herbst 2012!

 
Entstehung der Sammlung mainfränkische Trias und Vorstellung der vier Sammler:

Die 4 Sammler...
...opfern fast ihre gesamte Freizeit um Steine zu sammeln und investieren dazu auch noch
    beträchtliches eigenes Geld.
...scheuen bei schwierigen Fundbergungen auch nicht, technische Mittel, z.B. Bagger,
    einzusetzen.
...tragen Abertausende von Exponaten zusammen, ca. 350 davon sind zur Zeit in der Sammlung
   mainfränkische Trias in den Vitrinen zu sehen, um sie dann einer Gemeinde als Dauerleihgabe
   zur Verfügung zu stellen.
...arbeiten über Jahrzehnte hinweg vielfältig mit Wissenschaftlern, auch über die Grenzen hinaus,
   zusammen, eignen sich die erforderlichen Kenntnisse selbstständig an und finden als
   Autodidakten im Bereich der Wissenschaft Anerkennung.

Gehen wir zurück, ins Jahr 1968:
Horst Mahler, Rudi Sell und Jürgen Sell sind damals zwischen 10 und 12 Jahre alte Schüler. Sie finden im Steinbruch einige unbedeutende Versteinerungen. Die Neugier ist geweckt und sie sammeln weiter, was vor ihren Füßen liegt.

1970 kommt Michael Henz zu der Gruppe und Rudi Sell scheidet aus. Bernd Neubig sieht bei seinem Nachbarn Horst Mahler verschiedene Fundstücke, macht sich selbst seit 1975 auf die Suche. 1978 tritt er der Sammlergruppe bei, die sich in dieser Konfiguration bis heute erhalten hat. Man hat „schöne Versteinerungen“ zusammengetragen, weiß aber nicht, was man da eigentlich an Fossilien gefunden hat.
Sicher hätten sich viele mit diesem Ergebnis begnügt. Das Besondere an dieser Sammlergruppe ist aber, dass man es jetzt „genau wissen" will: Horst Mahler bemüht sich, „Literatur“ aufzutreiben.

Ceratit

Ein Glücksfall für die Sammler ist, dass sie 1976/1977 Peter Kelber treffen, der am mineralogischen Institut in Würzburg arbeitet. Er befasst sich mit Forschungen im Bereich der Paläobotanik. Herr Kelber erkennt die Ernsthaftigkeit der jungen Sammler und er gibt ihnen eine erste Einweisung zu den Themen „Trias“ und „Muschelkalk“. Er erklärt Sammeltechniken und weist die Gruppe in die Technik zur Dokumentation von Funden ein. So kann man sagen, dass Peter Kelber den Grundstein für Wissenschaftlichkeit und Aufbau der heutigen Sammlung mainfränkische Trias  gelegt hat.
Jetzt wird anders gesammelt: Die Umsetzung der Vorschläge bringt Ordnung in die Sammeltätigkeit und führt so zum Aufbau des Grundstocks der Sammlung mainfränkische Trias.

Will man wissenschaftlich arbeiten, so ist die Verbindung zu den Fachleuten an den Instituten und Universitäten eine wichtige Voraussetzung um bei der Fundbestimmung und Bewertung weiter zu kommen:
Dr. Wolfgang Trapp und Prof. Dr. Gerd Geyer von der Universität Würzburg beraten und helfen bei der Literaturbeschaffung, haben stets ein offenes Ohr für die Sammler und geben viele Tipps.

Mit  Dr. Hans Hagdorn aus Künzelsau-Ingelfingen, der die Echinodermen (Stachelhäuter) des Muschelkalk erforscht, findet ein wichtiger Informationsaustausch statt.

AbdruckAuch Prof.Dr. Helmut Keupp, zu dieser Zeit an der Ruhr-Universität Bochum, verdankt die Euerdorfer Sammlergruppe viel, ebenso Dr. Jörg Nolte, mit dem eine Zusammenarbeit im Bereich des Muschelkalks Unterfrankens stattfindet:
Die Sammler helfen bei Profilaufnahmen im Gelände, im Gegenzug hilft Dr. Nolte bei der Beschaffung von Literatur und unterstützt die Gruppe auch sonst tatkräftig und hat immer ein offenes Ohr.
Der Geologe Prof. Dr. Bernd Schröder aus Bochum unterstützt die Sammler u.a. bei der Kartierung und gibt dabei viele praktische Tipps.

So bildet sich mit der Zeit ein großflächiges symbiotisches Netz aus Wissenschaftlern und Sammlern, das die Sonderstellung dieser Sammlung erst ermöglicht, sie fördert und in ihrem Wachstum beflügelt.

Die Sammlergruppe entdeckt im oberen Buntsandstein eine Insektenfauna, die bisher im Germanischen Becken unbekannt war:
Ein Insekt (Wanze) erhält deshalb den Namen Heseneuma nach den Namen Henz, Sell, Neubig, Mahler, ein anderes Fossil  wird nach der fränkischen Saale benannt: Saaloscytina hammelburgensis.

Diese Funde werden von Dr. Brauckmann aus Wuppertal und Dr. Schlüter bearbeitet. Jetzt nimmt Dr. Popow von der Universität Moskau Kontakt zu den Sammlern auf, es werden Fundstücke übersandt. Die Fossilien liegen heute noch in Moskau und hoffen auf eine (baldige) Rückkehr!

Wir sind jetzt in den Achzigerjahren:
Bei den schon erwähnten Profilaufnahmen für Dr. Nolte in Karlstadt finden die Sammler viele Knochenreste. Zu welchem Tier gehörten sie?
Dr. Hagdorn stellt den Kontakt zu Dr. Martin Sander von der Universität Bonn her:
Es stellt sich heraus, dass der Fund das vollständigste bisher bekannte Skelett eines Shastasaurus der germanischen Trias ist. Benannt wird er nach seinem Finder Bernd Neubig Shastasaurus neubigi. Dieser Holotypus, dieses zum ersten Mal beschriebene Exemplar, ist in der Bayerischen Staatssammlung München hinterlegt, u.a. deswegen, weil ein Holotypus Wissenschaftlern immer zugänglich sein muss. In Euerdorf ist ein Abguss zu sehen. Die Holotypen der oben genannten Insekten ruhen, wie schon erwähnt, „versehentlich“ in Moskau.

Die Sammler, jetzt Mitte 20, suchen Kontakt zur Bergakademie Freiberg in der (damals noch) DDR. Man schickt Exponate an Prof. Dr. Schneider. Das Ergebnis: Das in Sulzthal gefundene Stück ist eine Athropoden-Fährte, also die Fährte eines Gliederfüßers (Krebs oder Insekt). DerKiefer Nothosaurus Name: Acripes sellensi nach dem Finder Jürgen Sell.

Seit 1999 findet ein reger Erfahrungsaustausch mit dem Geologen Dr. Uwe Hoffmann vom Bayerischen Geologischen Landesamt statt.
Er bearbeitet jetzt die alten geologischen Karten „Bad Kissingen Süd“ und „Bad Kissingen Nord“ aus den Jahren um 1914. Man trifft sich an den Fundstellen entlang des Autobahnbaus der A71 und tauscht Erfahrungen über Schichtbildungen, geologische Zusammenhänge und Profile aus. Überhaupt haben die Sammler bei der Suche und Profilerstellung an der A71 sehr viel Zeit und Urlaub investiert, jedoch hat sich dieser Eifer gelohnt. Die daraus resultierenden wissenschaftlichen Ergebnisse werden in einiger Zeit veröffentlicht. Ein besonderer Dank gilt hier der Autobahn-Direktion, die die Sammler wohlwollend im Bereich der Baustellen geduldet hat. Man sieht also: Es gibt auch heute durchaus noch die Möglichkeit, unkonventionelle Vorhaben unbürokratisch zu lösen.

Wir gehen jetzt wieder zurück in den Herbst 1983, die vier sind jetzt 21 bis 27 Jahre alt.Die Sammlung ist inzwischen sehr umfangreich und zeigt ein breites Spektrum des Lebens in der Trias. Sie enthält große Funde, z.B. Platten mit handtellergroßen Saurierfährten ebenso wie Exponate der Mikropaläontologie, die nur unter dem Binokular zu erkennen sind.
Um die Bedeutung des Folgenden voll erfassen zu können, werden nachfolgend die 4 Sammler etwas genauer vorgestellt:
Da ist Jürgen Sell, Fliesenlegermeister, der sich mit eigener Kraft selbstständig gemacht hat, Hort Mahler, Berufssoldat (Offizier), Michael Henz, Konditormeister und schließlich Bernd Neubig, Betonstein- und Terazzohersteller, der beim Markt Euerdorf beschäftigt ist.
Alle 4 haben in jungen Jahren eine Sammlung von enormem Wert zusammengetragen und versuchen, sich ihr Leben als gerade Erwachsene zu gestalten. Da man keinen der Sammler als wohlhabend bezeichnen kann, was läge da näher, als die Sammlung zu Geld zu machen um sich einen gelungenen beruflichen und familiären Start zu schaffen. Es wäre verständlich und eigentlich zu erwarten.

Doch die jungen Menschen haben etwas anderes vor: Von sich aus gehen sie auf die Vertretung des Marktes Euerdorf zu. Sie wollen ihre Sammlung dem Markt Euerdorf und damit der Öffentlichkeit als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen.
Diese Großzügigkeit trifft bei vielen anderen Sammlern auf Unverständnis. Der Gruppe ist überhaupt das „Für-Sich-Haben-Wollen“, das viele andere Sammler kennzeichnet, fremd. Jeder freut sich über die Funde des Anderen, jeder bringt seine Funde in die gemeinsame Sammlung ein.
Dies ist etwas ganz Besonderes: Die Gruppe verzichtet auf jeglichen Geldgewinn und handelt so weise, wie man es eigentlich nur von einem alten Sammler am Ende seines Lebens erwartet, der die gesammelten “Schätze“ in sicheren Händen wissen will, in der Gewissheit, dass nicht ignorante und geldgierige Erben die Funde missachten und verschleudern.

Bei dem damaligen Bürgermeister Heinz Großmann findet die Sammlergruppe ein offenes Ohr und es wird ein Vertrag mit der Gemeinde abgeschlossen.
Der Markt Euerdorf stellt Räume im alten Forsthaus zur Verfügung und lässt Vitrinen und Schränke nach den Vorstellungen der Sammler fertigen.
Die damalige und bis jetzt währende Unterstützung des Marktes Euerdorf ist sehr anerkennenswert, ebenso ist für die finanzielle Unterstützung des Landkreises und des Bezirks zu danken.
Die Sammler beginnen sofort mit der Aufbereitung der Exponate, es werden Konzepte erarbeitet und wieder verworfen, wieder neue Konzepte erarbeitet. Außerdem sind alle 4 jetzt in einem Alter, Familien zu gründen, was bisweilen sehr von der Paläontologie ablenkt, also nimmt sich der eine oder andere Sammler eine Auszeit. Auch in ihren Berufen müssen sie ihren Mann stehen und – ganz wichtig – das Sammeln soll und muss weiter gehen.

An vielen Stellen, ob bei dem Aushub zu einem Hausbau oder bei dem schon erwähnten Großprojekt A 71, das „Zeitfenster“ zum Aufnehmen von Profilen, zum aufwändigen Suchen nach weitern Fossilien ist immer nur kurz offen. Wenn man dann nicht sofort zugreift ist die einmalige Chance wahrscheinlich für immer vertan.
Man konnte sich die Sammlung in den letzten 20 Jahren schon zeigen lassen, sie wurde mehrfach mit Schulklassen besucht, aber eigentlich eröffnet war die Sammlung nicht, sie befand sich in einem steten Umbau. – Aber was sind schon 20 Jahre, wenn der in der Ausstellung zu sehende Zeitraum der Trias 250 bis rund 200 Millionen Jahre beträgt!

Auch bei den Vertretern des Marktes Euerdorf ist man 2001/2002 der Meinung, dass man das Projekt „Sammlung mainfränkische Trias“ einem vorläufigen Abschluss zuführen sollte und so wird der Paläontologe Dr. Michael Hautmann im Rahmen einer ABM-Maßnahme angestellt, um in Zusammenarbeit mit den Sammlern die Sammlung mainfränkische Trias zu einer publikumsorientierten nach neuen museums-didaktischen Erkenntnissen gestalteten Präsentation aufzuarbeiten.
 

Nautilus


Die Eröffnung der Ausstellung „Mainfränkische Trias“ fand am Samstag, den 14.04.2003 statt. Zugang finden Interessierte – etwa Schulklassen – nach Voranmeldung über das Euerdorfer Rathaus (Tel. 09704/9131-0) oder über die E-Mail Adresse der Sammler (). Auch an eine regelmäßige Öffnung an den Marktsonntagen ist evtl. gedacht.

Weitere Besonderheiten der Sammlung:
Der Unterkiefer-Rest  eines Nothosaurus giganteus, der größte bekannte seiner Art. Er war ein Wassersaurier von etwa 5 – 6 m Länge und wurde in Weyer (bei Scheinfurt) gefunden.
Die umfangreiche Insektenfauna des Buntsandsteins.
Die besonders umfangreiche Ceratiten-Sammlung. Ceratiten sind Kopffüßler, also Tintenfisch-Verwandte, die in der Trias viel seltener vorkommen als Ammoniten im Jura.
Ein Massenfund von Schlangensternen, vor 20 Jahren war das noch eine Sensation, inzwischen wurde Ähnliches von den Euerdorfer Sammlern schon öfter gefunden.
Holothurien (Seegurken-Reste), ½ mm groß und kleiner.
Fährten von Sauriern, deren Verursacher wahrscheinlich 6-7 m groß waren und noch nicht gefunden sind.



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Quelle: BMI

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Anschrift
Markt Euerdorf
Zeilweg 2
97717 Euerdorf

Tel 09704/9131-0
Fax 09704/9131-50


Öffnungszeiten

Mo. 8.00 - 12.00 Uhr

Di.  8.00 - 12.00 Uhr

Mi.  8.00 - 12.00 Uhr

Do. 8.00 - 12.00 Uhr
      13.00 - 18.00 Uhr

Fr.  8.00 - 12.00 Uhr   

und/oder nach Vereinbarung